Marcel Seer
4. Mai 2020

E-Arztbrief

Arztbriefe werden traditionell analog per Post, Fax oder über den Patienten von Arzt zu Arzt übermittelt. Das Problem dabei: diese Übertragungswege sowie die anschließende Weiterverarbeitung der Briefe sind aufwändig und nehmen viel Zeit in Anspruch – Zeit, die Ärzte und Krankenhäuser nicht haben. Gerade im Gesundheitswesen ist die Effizienzsteigerung von Prozessen durch Digitalisierung unverzichtbar. Probleme wie der Fachkräftemangel und die Überalterung der Bevölkerung zwingen die Akteure des Gesundheitssystems dazu, mit der Zeit zu gehen und smarte Lösungen zu finden. Alles, was analog, aufwändig und nicht zeitgemäß ist, wird in ein digitales Gegenstück übertragen – so wird der Arztbrief zum E-Arztbrief.

Was ist eigentlich ein Arztbrief?

Der Arztbrief ist ein Dokument, das eine stationäre Behandlung im Krankenhaus oder eine Untersuchung beim Facharzt dokumentiert und sich an den Hausarzt des Patienten richtet. Der zuständige Mediziner hält hier seine Diagnose, vorgenommene Untersuchungen und deren Ergebnisse und Empfehlungen für den Hausarzt fest.

Die weitere Vorgehensweise ist dabei aber nicht verpflichtend – der Hausarzt entscheidet in Absprache mit dem Patienten selbst, wie es im Einzelnen weitergeht. Der Zweck des Arztbriefes ist es vor allem, unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden und eine korrekte Medikamentengabe zu gewährleisten.

Der Facharzt gibt dem Patienten bei seiner Entlassung den Arztbrief mit. Dieser übergibt ihn bei seinem nächsten Besuch dem Hausarzt. Es kommt auch vor, dass der Arztbrief noch nicht fertig ist, wenn der Patient das Krankenhaus oder die Praxis verlässt. Das ist beispielsweise der Fall, wenn noch ein Befund aussteht, für den eine Gewebeprobe untersucht werden muss. In einem solchen Fall wird der Arztbrief per Post oder per Fax verschickt.

Hier deutet sich bereits eines der Probleme des analogen Arztbriefs an: Vor allem beim Übertragungsweg per Fax kann von angemessener Sicherheit der sensiblen Patientendaten keine Rede sein.

E-Arztbrief

Warum ist der E-Arztbrief notwendig?

Herkömmliche Arztbriefe auf Papier sind langsam und unzuverlässig im Transport, ziehen mehrere Medienbrüche nach sich und lassen in Sicherheitsfragen zu wünschen übrig. Empfänger müssen die analogen Briefe oft umständlich einscannen, bevor sie sie weiterverarbeiten können – ein Zeitaufwand, der leicht vermieden werden kann.

Die naheliegende Lösung für dieses Problem wäre die Übertragung des Arztbriefs per E-Mail. Diese Variante ist wäre zwar schneller, aber haftungs- und datenschutzrechtlich ebenfalls kritisch. Aus diesem Grund führten die Krankenversicherungen (KVen) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) KV-Connect ein. Dieser Kommunikationsdienst ermöglicht den sicheren Datenaustausch zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, KVen und weiteren medizinischen Partnern wie Krankenhäusern direkt aus dem Praxisverwaltungssystem (PVS).

Um Arztbriefe versenden und empfangen zu können, benötigen Mediziner den E-Heilberufsausweis, mit dem sie sich dem System gegenüber authentifizieren. Zudem ist es mit dem E-HB möglich, rechtssichere elektronische Unterschriften (qualifizierte elektronische Signaturen, QES) zu erstellen, die dem Brief seine Gültigkeit verleihen.

Der E-Arztbrief ist in Deutschland seit 2017 in Gebrauch.

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Technische Anforderungen

Wer E-Arztbriefe versenden und empfangen möchte, sollte dies über ein virtuelles privates Netzwerk tun (VPN), das ihm beispielsweise von der kassenärztlichen Vereinigung bereitgestellt wird. Außerdem muss das verwendete Praxisverwaltungssystem durch die KBV für den E-Arztbrief zertifiziert sein.

Auch der Kommunikationsdienst, mit dem Mediziner die E-Arztbriefe übermitteln, muss besonderen Sicherheitsanforderungen genügen. Die Nachrichten müssen sich End-to-end-verschlüsseln lassen und eine eindeutige Identifizierung von Absender und Empfänger ist erforderlich. Hier bietet sich KV-Connect an.

Was kostet der E-Arztbrief mit KV-Connect den Anwender?

KV-Connect wird allen Software-Anbietern kostenlos zur Verfügung gestellt. Für die Integration von KV-Connect und die Implementierung der einzelnen Anwendungen gibt es sehr unterschiedliche Preismodelle. Hier lohnt es sich also, sich im Vorfeld beim Anbieter zu informieren.

Neuer Kommunikationsdienst ab Juni 2020

Ende Juni 2020 soll KV-Connect durch einen anderen Kommunikationsdienst abgelöst werden: KOM-LE. Die Abkürzung steht für „Sichere Kommunikation zwischen Leistungserbringern“. Der neue Dienst soll zukünftig den sicheren Sektor-übergreifenden Austausch medizinischer Dokumente und Nachrichten sicherstellen. Er ist außerdem die Voraussetzung dafür, dass Ärzte und Empfänger E-Arztbriefe abrechnen können.

Vorteile des E-Arztbriefs

Gegenüber dem herkömmlichen analogen Arztbrief bietet sein elektronischer Gegenspieler Anwendern einige Vorteile:

  • Erstellung, Versand und Übernahme funktionieren ohne Medienbrüche und Zeitverzögerungen
  • Ausdrucken, Kuvertieren und Einscannen entfällt
  • Der Verfasser erstellt den Brief wie gewohnt in seinem eigenen PVS
  • Der Brief wird dem Adressaten automatisch aus dem eigenen System über eine sichere Verbindung zugestellt
    • Risiko, dass der Brief verloren geht, geht gegen null
  • Der Empfänger kann den Brief mit einem Klick in das eigene System importieren, dieses erkennt den betroffenen Patienten und schlägt die entsprechende Akte als Ablageort vor
  • Effizienteres Entlass-Management im Krankenhaus durch Zeiteinsparungen
  • Haftungs- und datenschutzrechtlich sichere Verbindung
  • Komfortabel, schnell, zuverlässig
Marcel Seer Autor

Websession: E-Arztbrief

Haben Sie Fragen zum E-Arztbrief oder benötigen Sie Unterstützung bei der Implementierung der notwendigen Infrastruktur in Ihrer Praxis oder Ihrem Krankenhaus? Dann kontaktieren Sie mich gerne über eine kostenlose Websession. Ich freue mich auf den Kontakt.

Fazit

Der elektronische Arztbrief löst seinen analogen Vorgänger auf Papier ab. Die Übertragung wichtiger patientenbezogener Daten vom Krankenhaus oder Facharzt auf den jeweiligen Hausarzt wird so effizient, schnell und zuverlässig.

Um E-Arztbriefe versenden zu können, benötigen Arztpraxen und Krankenhäuser ein sicheres VPN, wie das der kassenärztlichen Vereinigung sowie einen sicheren Kommunikationsdienst wie KV-Connect. Sind diese Voraussetzungen gegeben, steht der zwischenärztlichen Kommunikation nichts mehr im Weg.

Marcel Seer

Marcel Seer

Mein Name ist Marcel Seer und ich bin begeisterter Online Marketing Manager bei mindsquare. Wie meine Kollegen habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.

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