E-Arztbrief

Arztbriefe werden traditionell analog per Post, Fax oder ĂŒber den Patienten von Arzt zu Arzt ĂŒbermittelt. Das Problem dabei: diese Übertragungswege sowie die anschließende Weiterverarbeitung der Briefe sind aufwĂ€ndig und nehmen viel Zeit in Anspruch – Zeit, die Ärzte und KrankenhĂ€user nicht haben. Gerade im Gesundheitswesen ist die Effizienzsteigerung von Prozessen durch Digitalisierung unverzichtbar. Probleme wie der FachkrĂ€ftemangel und die Überalterung der Bevölkerung zwingen die Akteure des Gesundheitssystems dazu, mit der Zeit zu gehen und smarte Lösungen zu finden. Alles, was analog, aufwĂ€ndig und nicht zeitgemĂ€ĂŸ ist, wird in ein digitales GegenstĂŒck ĂŒbertragen – so wird der Arztbrief zum E-Arztbrief.

Was ist eigentlich ein Arztbrief?

Der Arztbrief ist ein Dokument, das eine stationĂ€re Behandlung im Krankenhaus oder eine Untersuchung beim Facharzt dokumentiert und sich an den Hausarzt des Patienten richtet. Der zustĂ€ndige Mediziner hĂ€lt hier seine Diagnose, vorgenommene Untersuchungen und deren Ergebnisse und Empfehlungen fĂŒr den Hausarzt fest.

Die weitere Vorgehensweise ist dabei aber nicht verpflichtend – der Hausarzt entscheidet in Absprache mit dem Patienten selbst, wie es im Einzelnen weitergeht. Der Zweck des Arztbriefes ist es vor allem, unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden und eine korrekte Medikamentengabe zu gewĂ€hrleisten.

Der Facharzt gibt dem Patienten bei seiner Entlassung den Arztbrief mit. Dieser ĂŒbergibt ihn bei seinem nĂ€chsten Besuch dem Hausarzt. Es kommt auch vor, dass der Arztbrief noch nicht fertig ist, wenn der Patient das Krankenhaus oder die Praxis verlĂ€sst. Das ist beispielsweise der Fall, wenn noch ein Befund aussteht, fĂŒr den eine Gewebeprobe untersucht werden muss. In einem solchen Fall wird der Arztbrief per Post oder per Fax verschickt.

Hier deutet sich bereits eines der Probleme des analogen Arztbriefs an: Vor allem beim Übertragungsweg per Fax kann von angemessener Sicherheit der sensiblen Patientendaten keine Rede sein.

E-Arztbrief

Warum ist der E-Arztbrief notwendig?

Herkömmliche Arztbriefe auf Papier sind langsam und unzuverlĂ€ssig im Transport, ziehen mehrere MedienbrĂŒche nach sich und lassen in Sicherheitsfragen zu wĂŒnschen ĂŒbrig. EmpfĂ€nger mĂŒssen die analogen Briefe oft umstĂ€ndlich einscannen, bevor sie sie weiterverarbeiten können – ein Zeitaufwand, der leicht vermieden werden kann.

Die naheliegende Lösung fĂŒr dieses Problem wĂ€re die Übertragung des Arztbriefs per E-Mail. Diese Variante ist wĂ€re zwar schneller, aber haftungs- und datenschutzrechtlich ebenfalls kritisch. Aus diesem Grund fĂŒhrten die Krankenversicherungen (KVen) und die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) KV-Connect ein. Dieser Kommunikationsdienst ermöglicht den sicheren Datenaustausch zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, KVen und weiteren medizinischen Partnern wie KrankenhĂ€usern direkt aus dem Praxisverwaltungssystem (PVS).

Um Arztbriefe versenden und empfangen zu können, benötigen Mediziner den E-Heilberufsausweis, mit dem sie sich dem System gegenĂŒber authentifizieren. Zudem ist es mit dem E-HB möglich, rechtssichere elektronische Unterschriften (qualifizierte elektronische Signaturen, QES) zu erstellen, die dem Brief seine GĂŒltigkeit verleihen.

Der E-Arztbrief ist in Deutschland seit 2017 in Gebrauch.

Technische Anforderungen

Wer E-Arztbriefe versenden und empfangen möchte, sollte dies ĂŒber ein virtuelles privates Netzwerk tun (VPN), das ihm beispielsweise von der kassenĂ€rztlichen Vereinigung bereitgestellt wird. Außerdem muss das verwendete Praxisverwaltungssystem durch die KBV fĂŒr den E-Arztbrief zertifiziert sein.

Auch der Kommunikationsdienst, mit dem Mediziner die E-Arztbriefe ĂŒbermitteln, muss besonderen Sicherheitsanforderungen genĂŒgen. Die Nachrichten mĂŒssen sich End-to-end-verschlĂŒsseln lassen und eine eindeutige Identifizierung von Absender und EmpfĂ€nger ist erforderlich. Hier bietet sich KV-Connect an.

Was kostet der E-Arztbrief mit KV-Connect den Anwender?

KV-Connect wird allen Software-Anbietern kostenlos zur VerfĂŒgung gestellt. FĂŒr die Integration von KV-Connect und die Implementierung der einzelnen Anwendungen gibt es sehr unterschiedliche Preismodelle. Hier lohnt es sich also, sich im Vorfeld beim Anbieter zu informieren.

Neuer Kommunikationsdienst ab Juni 2020

Ende Juni 2020 soll KV-Connect durch einen anderen Kommunikationsdienst abgelöst werden: KOM-LE. Die AbkĂŒrzung steht fĂŒr „Sichere Kommunikation zwischen Leistungserbringern“. Der neue Dienst soll zukĂŒnftig den sicheren Sektor-ĂŒbergreifenden Austausch medizinischer Dokumente und Nachrichten sicherstellen. Er ist außerdem die Voraussetzung dafĂŒr, dass Ärzte und EmpfĂ€nger E-Arztbriefe abrechnen können.

Vorteile des E-Arztbriefs

GegenĂŒber dem herkömmlichen analogen Arztbrief bietet sein elektronischer Gegenspieler Anwendern einige Vorteile:

  • Erstellung, Versand und Übernahme funktionieren ohne MedienbrĂŒche und Zeitverzögerungen
  • Ausdrucken, Kuvertieren und Einscannen entfĂ€llt
  • Der Verfasser erstellt den Brief wie gewohnt in seinem eigenen PVS
  • Der Brief wird dem Adressaten automatisch aus dem eigenen System ĂŒber eine sichere Verbindung zugestellt
    • Risiko, dass der Brief verloren geht, geht gegen null
  • Der EmpfĂ€nger kann den Brief mit einem Klick in das eigene System importieren, dieses erkennt den betroffenen Patienten und schlĂ€gt die entsprechende Akte als Ablageort vor
  • Effizienteres Entlass-Management im Krankenhaus durch Zeiteinsparungen
  • Haftungs- und datenschutzrechtlich sichere Verbindung
  • Komfortabel, schnell, zuverlĂ€ssig

Fazit

Der elektronische Arztbrief löst seinen analogen VorgĂ€nger auf Papier ab. Die Übertragung wichtiger patientenbezogener Daten vom Krankenhaus oder Facharzt auf den jeweiligen Hausarzt wird so effizient, schnell und zuverlĂ€ssig.

Um E-Arztbriefe versenden zu können, benötigen Arztpraxen und KrankenhÀuser ein sicheres VPN, wie das der kassenÀrztlichen Vereinigung sowie einen sicheren Kommunikationsdienst wie KV-Connect. Sind diese Voraussetzungen gegeben, steht der zwischenÀrztlichen Kommunikation nichts mehr im Weg.

Haben Sie Fragen zum E-Arztbrief oder benötigen Sie UnterstĂŒtzung bei der Implementierung der notwendigen Infrastruktur in Ihrer Praxis oder Ihrem Krankenhaus? Melden Sie sich gerne bei uns. Wir freuen uns drauf!

Marcel Seer

Marcel Seer

Mein Name ist Marcel Seer und ich bin begeisterter Online Marketing Manager bei mindsquare. Wie meine Kollegen habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.

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