Beyond the Pill

Die Gesundheitsfürsorge hat sich verändert: Viele Patienten verlangen mehr als nur die reine Diagnose und Verschreibung von Medikamenten. Besonders die Vorbeugung ist ein wichtiges Thema. Gesundheit sowie die Auseinandersetzung mit der eigenen soll in den Alltag integriert werden. Dafür suchen sich Patienten Informationen aus dem Internet, bei denen die Quellen nicht immer sicher sind.

Mit „Beyond the Pill“ bieten Pharmaunternehmen digitale Dienstleistungen an, die „über das Medikament“ hinaus gehen. Statt nur die Medikamente im Rahmen der Gesundheitsfürsorge bereitzustellen, soll die Pharmaindustrie nun u. a. auch als Informationsvermittler rund um das Thema „Gesundheit“ agieren und als seriöser Knowhow-Träger wahrgenommen werden – über das Medikament hinaus eben. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über „Beyond the Pill“ und wie Pharmaunternehmen dieses Konzept umsetzen.

Was ist „Beyond the Pill“?

Im traditionellen Geschäftsmodell sind Pharmaunternehmen Hersteller und Verkäufer von Medikamenten. Mit „Beyond the Pill“ sollen sie sich nun auch als Experten darstellen, die ihr Wissen teilen und so ihren Kunden helfen können. Sie gehen über das Medikament hinaus und stecken ihre Energie in die Entwicklung einer Idee jenseits von Arzneimitteln. „Beyond the Pill“ ist eine Vision, die die Pharmaindustrie vom reinen Arzneimittelhersteller zum Gesundheitsanbieter transformiert. Hinter diesem Wandel steht die Erkenntnis, dass das Geschäftsmodell der reinen Herstellung und Vermarktung von Arzneimitteln veraltet ist.

Heutzutage sind Patienten mithilfe des Internets in der Lage, ihre eigene Gesundheit zu verwalten. Sie geben Symptome in eine Suchmaschine ein, die ihnen unterschiedliche Lösungsansätze zeigt. Jedoch besteht hier das Problem, dass nicht jede Quelle vertrauenswürdig ist. Hier kommen Pharmaunternehmen ins Spiel: Sie erweisen sich als seriöse Gesundheitsexperten, die ihr Wissen teilen.

Neben der Informationsvermittlung entwickeln Pharmaunternehmen mit dem „Beyond the Pill“-Konzept folgende neue Ideen:

  • Gesundheits-Apps, die von den Pharmaunternehmen entwickelt werden und erkrankten sowie gesunden Menschen (zur Krankheitsvorbeugung) helfen. Die Apps können in Verbindung eines bestimmten Medikaments gebracht werden. Solch eine App kann den Nutzer bspw. an die Einnahme des Arzneimittels erinnern. Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Nutzer mittels der App Blutdruckwerte oder Nebenwirkungen dokumentiert. Diese Informationen können dann an einen Arzt weitergeleitet werden.
  • Neue medizinische Technologien, die z. B. miteinander über das Internet of Things verbunden sind oder über eine künstliche Intelligenz laufen. Beide Technologien können auch hier u. a. Werte sammeln, indem eine Smartwatch mithilfe von Elektroden ein EKG erstellt und die Daten an das Smartphone weiterleitet. So können Herzkrankheiten wie Vorhofflimmern rechtzeitig erkannt werden.

Um diese Transformation umsetzen zu können, stellt sich die Industrie auf den allgemeinen, digitalen Marktwechsel ein. Mit „Beyond the Pill“ vermarkten Pharmaunternehmen ihr Wissen mit digitalen Services und neuen Technologien, die die Bedürfnisse des Patienten mehr in den Blick nehmen.

Verlagerung der Gesundheitsvorsorge

So sind bspw. die Prävention und ein gesunder Alltag wichtige Punkte. Was benötigen wir, um ein gesundes Leben zu führen? Dabei wollen Pharmaunternehmen nicht bestimmte Diagnosen ansprechen. Sie wollen sich vielmehr auf eine Zielgruppe konzentrieren, die auf der Suche nach Antworten bei ersten Symptomen ist. Mit Informationen von Pharmaunternehmen und Gesundheits-Apps sind Patienten in der Lage, ihre Gesundheit besser einzuschätzen und nächste Maßnahmen einzuleiten. Jedoch sollen diese Apps nicht den Gang zum Arzt ersetzen, sondern als eine erste Orientierung dienen.

Beyond the Pill

Pharmaunternehmen entfernen sich mit „Beyond the Pill“ von der reinen Arzneimittelherstellung.

Pharmaunternehmen wollen nicht nur Erkrankte ansprechen – auch die Bedürfnisse gesunder Menschen sollen gedeckt werden. Ihnen geben Pharmaunternehmen u. a. Tipps, wie sie ihren Alltag noch gesünder gestalten können.

Voraussetzungen für „Beyond the Pill“

Bevor die Pharmaindustrie ein neues Geschäftsmodell wie „Beyond the Pill“ implementieren kann, müssen zunächst technische und gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die technische Komponente ist die Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI). Durch sie sind alle Akteure des Gesundheitssystems miteinander verbunden. Die TI optimiert die Kommunikation zwischen allen gesundheitlichen Institutionen – Befunde, Diagnosen und weitere Daten können digital verschickt und empfangen werden. In Gesundheits-Apps können also bspw. Blutdruckwerte dokumentiert und ab 2021 in die elektronische Patientenakte (ePA) aufgenommen werden, damit der Arzt mit den Werten arbeiten kann. Arztpraxen sollten sich bis zum 30. Juni 2019 an die TI anschließen und die Frist für Apotheken liegt bei Ende September 2020. Der Fokus liegt auch hier auf den Patienten und der Sicherheit. Medizinische Daten sind äußerst sensibel, wodurch die Übertragung stets Ende-zu-Ende verschlüsselt ist.

Das E-Health-Gesetz

Mit dem E-Health-Gesetz stehen der digitalen Kommunikation und Gesundheits-Apps nichts im Weg. Wer kann Patientendaten einsehen? Wie werden diese Daten sicher verschickt? Auf diese Fragen geht das Gesetz ein und bietet Patienten somit eine optimale Gesundheitsversorgung. Das E-Health-Gesetz schafft unter anderem den konkreten Fahrplan für die TI und fördert telemedizinische Leistungen wie die Videosprechstunde. Ab 2020 können Ärzte bspw. ihren Patienten medizinische Apps auf Rezept verschreiben.

Projekt-Testphase

Momentan befinden sich viele „Beyond the Pill“-Projekte noch in der Testphase. Pharmaunternehmen müssen sich zunächst an den digitalen Wandel gewöhnen und herausfinden, was die Zielgruppe genau benötigt. Der Erfolg einer App oder Technologie kann erst an den wirklichen Therapieerfolgen gemessen werden, die über diese geschehen.

Beyond the Pill

Mit „Beyond the Pill“ gehen Pharmaunternehmen „über die Pille hinaus“ und konzentrieren sich auf digitale Services.

Telemedizinische Anwendungen

Für „Beyond the Pill“ trägt vor allem das Stichwort „Internet of Things“ (IoT) eine große Bedeutung. Das IoT ist die Verbindung von unterschiedlichen Geräten, die über das Internet verbunden und in den Alltag integriert sind, z. B. mit fortschrittlichen Technologien wie dem Telemonitoring (RPM). Beim Telemonitoring können medizinische Fachkräfte den Gesundheitszustand eines Patienten sowohl stationär als auch ambulant überwachen. Dabei müssen sie sich nicht am gleichen Ort befinden. Der Patient bleibt in den eigenen vier Wänden, während medizinische Fachkräfte ihn in der Praxis überwachen.

Für Typ-1-Diabetiker gibt es bereits mehrere IoT-Projekte, die die Behandlung vereinfachen und neue Therapien ermöglichen. Moderne Insulinpumpen werden durch das IoT mit dem Smartphone verbunden, indem ein Gewebeglukosesensor die Glukosewerte in der Haut misst und ans Smartphone sendet. Bei einem kritischen Wert wird der Träger eines solchen Sensors alarmiert, so dass er entsprechend reagieren kann.

Medizinische Anwendungen

Der Vorreiter digitaler Services sind Gesundheits-Apps: Medizinische Anwendungen können als Hilfe für die korrekte Einnahme von Medikamenten agieren. Smartwatches, die mit dem Smartphone verbunden sind, messen den Blutdruck und senden die Daten an das Handy. Eine App auf dem Smartphone wertet die Daten aus und gibt dem Träger Gesundheitstipps. Die Daten können ab 2021 in der elektronischen Patientenakte (ePA) gespeichert werden, damit der Arzt direkten Zugriff darauf hat. Patienten können so bestimmte Erkrankungen einfacher verwalten und vielleicht auch besser verstehen.

Neue Erkenntnisse dank Datensammlung

„Beyond the Pill“ bringt der Forschung einen großen Vorteil. Mit gesammelten Daten, die bspw. in den Gesundheits-Apps gespeichert werden, können bestimmte Symptome und Diagnosen besser untersucht und neue Erkenntnisse gewonnen werden. Mit Feedbacks von Patienten, die ein bestimmtes Medikament einnehmen, kann der Hersteller des Medikaments herausfinden, warum die Therapie bei manchen Patienten nicht anschlägt. So kann der Pharmahersteller sein Arzneimittel verbessern. Die Datenspeicherung ist selbstverständlich vom Patienten abhängig. Nur mit seiner Zustimmung werden seine Daten gespeichert und für die Forschung verwendet.

Von der Akutmedizin zum Gesundheitsmanagement

Die reine Arzneimittelherstellung der Pharmaindustrie gehört mit „Beyond the Pill“ der Vergangenheit an. Patienten stehen nun im Fokus. Sie verwalten ihre Gesundheit selbst, indem sie Unterstützung von Pharmaunternehmen in Form von neuen Technologien und sicheren Informationen erhalten. Somit stellen sich Pharmaunternehmen als Gesundheitsexperten dar, die Menschen mithilfe von digitalen Services durch den Alltag helfen und ihn gesünder gestalten.

Haben Sie Fragen zu „Beyond the Pill“? Wir helfen Ihnen gerne weiter. Kontaktieren Sie uns dafür einfach per E-Mail oder Telefon.


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