Marcel Seer
 - 21. April 2020

Digitale Apotheken

Die Digitalisierung des Gesundheitssystems geht auch an Apotheken nicht spurlos vorüber. Allerdings bleiben diese in Sachen technische Features bisher hinter Arztpraxen und Krankenhäusern zurück. Was ihnen fehlt, ist der Druck und die Fristen aus dem E-Health Gesetz, die andere Akteure des Gesundheitssystem zum Handeln zwingen. Um in einer Weise für den Kunden da zu sein, die dem digitalen Zeitgeist entspricht, müssen die Apotheken diesen Rückstand aufholen.

Etablierte Digitalisierungsmaßnahme

Die folgenden digitalen Elemente sind aus heutigen Apotheken bereits kaum mehr wegzudenken.

Warenwirtschaft: POS-System

Ein POS-(Point of Sale)System ist eine Software, über die Händler ihre Verkäufe abwickeln können. In Apotheken gibt das System den Verantwortlichen Auskunft darüber, welche Präparate bestellt wurden und in welcher Menge diese im eigenen Lager vorrätig sind. Unterschreitet die Menge ein Mindestvolumen, gibt das System automatisch eine Bestellung auf. So kann Engpässen vorgebeugt und eine hohe Warenverfügbarkeit gewährleistet werden.

Außerdem beinhaltet ein POS-System: 

  • Kundendateien
  • Tools für die Beratung
  • Programme für den Medikationsplan
  • Programme für das Medikationsmanagement
  • Schnittstellen zu Datenbanken wie dem digitalen Arzneibuch

Automatischer Kommissionierer

In den meisten größeren Apotheken müssen die Apotheker Medikamente nicht mehr per Hand in den riesigen Schubladen suchen. Sie fordern das gewünschte Arzneimittel einfach bei ihrem Kommissionier-System an und dieses liefert es über ein Fließband direkt an den Verkaufstresen. Dadurch verringert sich Arbeitsaufwand für das Personal und Wartezeit für den Kunden.

Taxatationsprogramm

Viele Apotheken nutzen zudem eine Software, mit der sie die Preise für Arzneimittel berechnen. Sie können in einer solchen Software direkt aus dem Herstellungsprotokoll taxieren und die Preise in die Kasse übernehmen.

Datenbanken und Nachschlagewerke

Das Arzneibuch dient jeder Apotheke als Nachschlagewerk rund um Arzneimittel, deren Lagerung, Qualität und Bezeichnung. Der Name ist hier allerdings irreführend, denn es handelt sich nicht um eins, sondern eine Reihe an Büchern. Da diese Platz wegnehmen, nutzen viele Apotheken das Arzneibuch in digitaler Form. Der digitalisierten Version können Mitarbeiter viel schneller Informationen entnehmen und müssen nicht endlos blättern.

E-Medikationsplan

Auf ihrer elektronischen Gesundheitskarte können Patienten freiwillig Informationen zu ihrer medikamentösen Behandlung speichern lassen. Auf diese Weise ist jeder behandelnde Arzt oder zuständige Apotheker umfassend über die Medikation des Patienten informiert. So können sie mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten berücksichtigen, wenn sie neue Medikamente verordnen oder in der Apotheke rezeptfreie Medikamente herausgeben.

Weitere Möglichkeiten zur Digitalisierung von Apotheken

Auch wenn die meisten Apotheken die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche als die treibende Kraft sehen und sich durchaus auch Umsatzpotenziale ausrechnen, fühlen sie sich vielfach doch überfordert von den Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Im Folgenden ist daher eine Auflistung von möglichen Maßnahmen, die Apotheken ergreifen können, um mit der Zeit zu gehen.

Digitale Rezeptsammelstelle

Rezeptsammelstellen sollen die Versorgungsdichte im ländlichen Raum erhöhen. Ist einem älteren Herrn oder einer Mutter mit fiebrigem Kind der Weg zur nächsten Apotheke zu weit, können sie ihre Rezepte in einen dafür vorgesehenen Automaten einführen. Diese lesen die Rezepte ein und übermitteln das Bild an die mit dem Automaten verknüpfte Apotheke.

Auf Wunsch können die Kunden über Kamera und Mikrofon auch direkt Kontakt mit dem Apotheker aufnehmen. Das benötigte Medikament kann dann gegebenenfalls bei einem Großhandel bestellt und noch am selben Tag ausgeliefert werden. In den USA gibt es bereits Projekte, bei denen die Arzneimittel dann mit Drohnen geliefert werden. Das ist in Deutschland allerdings noch Zukunftsmusik.

Datenschutz ist bei der digitalen Rezeptsammelstelle oberstes Gebot. So kann lediglich die betreffende Apotheke auf den Automaten zugreifen. Auf die Quittung, die der Kunde im Gegenzug für das Rezept erhält, werden keine personenbezogenen Daten gedruckt. Der Automat selbst speichert keinerlei Daten, sondern leitet diese lediglich weiter.

Bestandteil der digitalen Apotheke: Die digitale Rezeptsammelstelle

Abbildung 1: Digitale Rezeptsammelstelle (Quelle: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/)

Digitale Sichtwahl

Als Sichtwahl werden in Apotheken die Regale hinter den Tresen bezeichnet, in denen eine Auswahl von Arzneimitteln ausgestellt ist. Die Sichtwahl ist ein wichtiges ökonomisches Instrument für Apotheken: Sie präsentiert den Kunden eine Auswahl aus dem Sortiment und erleichtert die Kommunikation zwischen Kunde und Personal, indem Sie als Beratungsgrundlage dient.

Die Bestückung und Pflege dieser Regale nimmt allerdings viel Zeit in Anspruch. Die Regale durch Bildschirme zu ersetzen, in denen virtuelle Produkte präsentiert werden, kann daher eine sinnvolle Investition sein. Die virtuellen Regale lassen sich so auch einfach mit Motiven aktueller Ereignisse versehen, die die Apotheke freundlicher und ansprechender wirken lassen.

Bestandteil der innovativen digitalen Apotheke: Die digitale Sichtwahl

Abbildung 2: Beispielhafte digitale Sichtwahl im Karneval-Theme (Quelle: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/)

Gesundheitsleistungen vor Ort

Kleinere Gesundheitsleistungen wie Blutdruck oder -zucker messen können Apotheken auch vor Ort vornehmen. Wenn nötig, übermitteln die Apotheker die so gemessenen Daten direkt an den behandelnden Arzt. So muss diese Untersuchung nicht noch einmal beim Arzt wiederholt werden und er kann schnell reagieren.

Online-Auftritt und Click & Collect

Da die Menschen mittlerweile alles mögliche online bestellen, möchten sie auch bei (rezeptfreien) Medikamenten keine Ausnahme machen. Dabei ist diejenige Apotheke im Vorteil, deren Website besonders übersichtlich und anwenderfreundlich gestaltet ist. Überladene Websites hingegen, die aufdringlich und überfordernd wirken, schrecken eher ab. Es ist außerdem empfehlenswert, auch mobile Bestellfunktionen anzubieten, da die meisten Nutzer mit dem Smartphone surfen.

Viele Apotheken bieten zudem die Möglichkeit, Medikamente online zu bestellen und an einem Terminal in der Apotheke, das die Kunden selbst bedienen können, abzuholen.

E-Rezept

Rezepte stellen Ärzte traditionell auf Papier aus. Das Papier legt der Patient dem Apotheker vor, dieser scannt es in sein Kommissionier-System ein und der Patient erhält sein Medikament. In dem Moment, in dem der Arzt das Rezept ausdruckt, unterbricht er den digitalen Übertragungsweg. Stattdessen haben Ärzte nun auch die Möglichkeit, dem Patienten sein Rezept verschlüsselt auf sein Smartphone zu übertragen. Das elektronische Rezept enthält einen QR-Code, den der Apotheker anstelle des Rezepts einscannen kann. Der ganze Vorgang wird dabei in der elektronischen Patientenakte dokumentiert.

Es ist zudem denkbar, dass der Arzt das Rezept direkt an die Apotheke weiterleitet. Dort kann sich der Patient das Medikament abholen, oder es sich zu sich nach Hause liefern lassen. Das ist vor allem für ältere Patienten von Vorteil, die sich den Weg zur Apotheke sparen können.

E-Learning für Apotheker

Apotheker und Apothekenpersonal können durch regelmäßige Fortbildungen und Schulungen ihr Knowhow und ihre Beratungsfähigkeiten fördern. Schulungen, die außer Haus stattfinden, verursachen allerdings Reisekosten und Personalausfall. Um diese zu vermeiden, können Apotheken E-Learnings oder Webinare in Anspruch nehmen. Diese können Mitarbeiter während der Arbeitszeit flexibel absolvieren. E-Learnings steigern also die Apotheker-Kompetenzen, ohne Ausfälle zu verursachen.

Erfolgsmessung

Egal, für welche Maßnahmen sich eine Apotheke entscheidet, sie sollte den Erfolg in jedem Fall messen. Wie sonst kann sie ermitteln, ob die Maßnahmen die gewünschte Wirkung erzielen? Durch Erfolgsmessung kann herausgefunden werden, ob die Kosten-Nutzen-Rechnung aufgeht.

Fazit

Apotheken fehlt der Druck aus dem E-Health-Gesetz, das anderen Akteuren des Gesundheitssystems strenge Fristen und Deadlines für die Einführung bestimmter technischer Neuerungen vorschreibt. Die Apotheken müssen sich also selbst motivieren, indem sie sich die Vorteile der Digitalisierung vor Augen führen und sich gezielt für Maßnahmen entscheiden, die sie als sinnvoll und umsetzbar erachten. Solche Maßnahmen können ein nutzerfreundlicher Online-Auftritt, die digitale Sichtwahl oder E-Learning-Schulungen für Apotheker sein.

Welche Maßnahmen auch immer eine ergriffen werden, sie sollten deren Erfolg messen, um reflektiert den Nutzen beurteilen zu können.
Welche Maßnahmen haben Sie bereits umgesetzt, um Ihre Apotheke in Sachen Digitalisierung voranzubringen? Benötigen Sie Unterstützung bei Ihrem nächsten Projekt? Kontaktieren Sie uns gerne. Gemeinsam schauen wir uns Ihre individuelle Situation an und entscheiden, welche Schritte für Sie infrage kommen.

Marcel Seer

Marcel Seer

Mein Name ist Marcel Seer und ich bin begeisterter Online Marketing Manager bei mindsquare. Wie meine Kollegen habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.

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